Ende 2016 – Ich räume dann mal um…

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und ich ziehe Resümee.

Ich bin müde. Dieses Jahr hatte es in sich.

Ich habe viel gekämpft in diesem Jahr und ich werde auch weiter kämpfen- doch jetzt bin ich müde.

„Wir schaffen das“, hat sie gesagt und obwohl ich müde bin, glaube ich immer noch fest daran.

Vielleicht wäre es einfacher, wenn mehr Menschen einfach mal mitanpacken würden?

Vielleicht wäre es einfacher, wenn mal weniger geredet und mehr getan würde? Vielleicht wäre es einfacher, wenn die Beschwerde-, Schuldzuweisung-, Nörgel – und Missgunst -Mentalität einfach mal Platz machen würde für positive Energie?

Mit dieser Energie müsste man doch Berge versetzen können, oder?

Ich weiß, dass alle Nörgler und „Beschwerer“ mir oft so einiges an Energie rauben. Wertvolle Energie, die für so viel Sinnvolles genutzt werden könnte.  Energie, die mir fehlt und  mich dadurch müde macht.

Doch ich habe nachgedacht und jetzt einfach mal neu gruppiert und folgende Etiketten werden jetzt erst mal  entfernt und entsorgt:  

Einheimische, Eingeborene, Zugezogene, Eingeheiratete, Weiße, Schwarze, Flüchtlinge, Nicht-Flüchtlinge, Rassisten, Gutmenschen, besorgte Bürger, Deutsche, Europäer, Afrikaner, Araber, Asiaten, Hetero-, Trans,-Homosexuelle, Asylsuchende, Frauen, Männer, Dicke, Dünne, Normale, Blauäugige, Braunäugige, Blonde, Dunkelhaarige, Christen, Muslime, Buddhisten, Atheisten, Mormonen, usw…

Jetzt werden die Schubladen entleert und für 2017 wird nach neuem Muster sortiert:

Positive und Negative Menschen

Energiespender und Energieräuber

Macher und  Lamentierer

Lösungsorientierte und Problemsuchende/findende Menschen

Zukunftsorientierte  und „aber früher war alles besser“ Menschen

Lernbegierige und Nachplappernde Menschen

Mitfühlende und Wegschauende Menschen

Hilfesuchende/bedürftige und Hilfefordernde Menschen

Selbstlos Helfende und Ich nutze das Elend der anderen für meine eigenen Zwecke“ Menschen

„Ich bin meines eigenes Glückes Schmied“  und „Mir steht das aber zu“ Menschen

Verantwortungsbewusste und Schuldzuweisende Menschen

Gerechte und Rechthaberische Menschen

Humorvolle und Verbissene Menschen

…und dann sind da noch die leeren Etiketten und Schubläden, die behalte ich mir jetzt erst mal vor, um bei Bedarf/Änderung/Vergessenen Kategorien  auch  wieder umräumen zu können…

Doch jetzt geht es erst mal wieder ans Einräumen.

Ganz schöner Tumult auf einmal in meinen Schubladen. Die Kombinationen sind teilweise jetzt etwas abenteuerlich für die Betroffenen, aber durchaus psychologisch interessant für mich…

Die Schubladen mit den roten Etiketten werden jetzt erst mal in den Keller geräumt- kein Bedarf, keine Lust, keine Geduld, keine Zeit, keine Energie  mehr von mir fürs nächste Jahr.

Ein bisschen Nahrung gebe ich meinen Kellerkindern dann doch noch mit – wenigstens die Restbestände von 2016, die ich ja immer im Überfluss vorrätig haben musste:

„Nein, die Flüchtlinge sind nicht gekommen, um dir dein Butterbrot zu klauen“

„Nein, das Geld, das ihr vom Sozialamt /Ausländeramt/Job Center bekommt, stammt nicht von einem magischen Topf, in den es unaufhörlich Münzen und Scheine vom Himmel hereinregnet“

„Nein, Missionierung ist grundsätzlich keine gute Sache, wenn man das mit Menschen tut, die sich in einer Abhängigkeit befinden.“

„Nein, unsere Werte wirst du nicht erhalten  können, indem du rassistische Hetze verbreitest, sondern nur, indem du mit den Menschen kommunizierst, die neu in unser Land kommen und ihnen unsere Werte, Regeln, Verhaltensmuster, Kultur und Bräuche zeigst und vorlebst.“

„Nein, unsere Behörden arbeiten nicht langsam, um dich zu schikanieren und dein Asylverfahren unnötig in die Länge zu ziehen, sondern weil wir über 1 Millionen Flüchtlinge aufgenommen haben und wir den Papierkram zeitlich auch erst mal bewältigen müssen“

„Nein, ich bin nicht so blöd, dass ich auf jedes Kompliment reinfalle, nur damit du eine Vorzugsbehandlung bekommst. Ehrlichkeit, Zielstrebigkeit, Geduld und harte Arbeit sind die magischen Worte, die dich ans Ziel bringen in unserem Land.“

„Nein, ein Flüchtling bekommt nicht mehr Geld als ein deutscher HartzIV Empfänger“

„Nein, wir stecken denen nicht alles in den A***, wir zeigen ihnen, wie sie sich selbst und anderen helfen können“

„Nein, du befreist keine muslimische Frau, indem du sie in der Öffentlichkeit aufforderst, ihr Hijab abzusetzen, sondern verhältst dich wie ein ignoranter, arroganter und bevormundender Schnösel, der genau durch dieses Verhalten die Rechte dieser Frau einschränkt“

„Nein, uns Deutschen geht es nicht schlecht. Ich habe selber in 2 anderen Ländern jahrelang gelebt, ohne Anspruch auf Kindergeld, Arbeitslosengeld und HartzIV in den Dimensionen, wie wir es in Deutschland kennen.  Niemand muss in Deutschland obdachlos sein, niemand muss hungern und frieren. Sich keinen Urlaub, kein Auto und nur Discounter Ware leisten zu können in dem Zeitraum, indem man unverschuldet nicht arbeiten kann, ist meines Erachtens durchaus  akzeptabel!“

„Nein, für uns Deutsche ist der Satz „ Ich wusste nicht…“ nicht akzeptabel zu Zeiten, in denen jeder recherchieren und sich informieren kann. Dies  ist ein Satz, der unsere deutsche Geschichte prägt, ein Satz, den wir unseren Großeltern zum Vorwurf gemacht haben. Deshalb hat jeder die Verantwortung zu recherchieren, zu lesen und sich zu informieren, statt Slogans, Stammtischparolen und Hetze zu verbreiten“

So, und jetzt ab in den Keller mit euch.

Ich gucke jetzt mal nach vorn!

Ich freue mich auf positive, lösungsorientierte, zielstrebige, offene, proaktive, mitfühlende, hinterfragende, verantwortungsbewusste, hinschauende, witzige, zupackende, faire, inspirierende, alberne, energieversprühende, aber manchmal halt auch müde, wütende und traurige Menschen.

Euch braucht die Welt,  denn 2017  wird nicht einfach.

Brexit, Trump, anstehende Wahlen im eigenen Land und die angespannte politische Lage weltweit werden vielen Kellerkindern wieder Aufschwung geben.

Doch wenn wir gemeinsam die Energien wieder in die richtige Richtung lenken,  dann, da bin ich mir ganz sicher, dann können wir Berge versetzen…

©B.Metz

Verlassen

Du bist noch so klein und hast den Krieg schon gesehen,
bist jetzt allein hier bei uns und kannst gar nichts verstehen.
Deine Eltern so fern und deine Angst ist so groß,
dass der endgültige Abschied ist für immer dein Los.

Lebst jetzt seit Monaten schon dort drüben im Heim
mit vielen jungen Männern, dort solltest du nicht sein…
Du glaubst, man hat dich vergessen, dein Herz ist so schwer,
doch einer sieht deinen Schmerz und bringt dich her.

Ein großer Freund in der Not, der genau hinschaut
und selber ein Flüchtling, der dir jetzt diese Brücke baut.
Er erzählt mir von dir, von dem kleinen Jungen der schwieg,
er erzählt, dass du zurück willst in dein Land und diesen Krieg.

Zurück zu deinen Eltern, deine Mama fehlt dir so sehr,
suchst nach Geborgenheit, willst sonst gar nichts mehr.
Du schläfst schon lange nicht mehr in deinem Bett,
lachst nicht mehr und bist zu keinem mehr nett.

Du wirst immer stiller und isst seit Wochen  auch kaum,
willst unsere Sprache nicht lernen und verschließt dich im Raum.
Mein Herz wird schwer, als ich von deiner Geschichte höre,
ich habe nicht von deinem Leid gewusst, ich schwöre!

Mein Jüngster ist genauso alt wie du und ich kann gar nicht daran denken,
wenn er an deiner Stelle wäre, wer würde ihm dann Liebe schenken?
Würden Menschen seine Tränen sehen,
würde jemand ihn dann verstehen?

Für mich ist klar, jeder Tag ist hier zu viel und wir dürfen nicht warten,
und noch heute spielst du mit meinen Kindern bei uns  in unserem Garten.
Und jetzt sitzen wir hier und schauen euch zu,
der Fußball kommt heute gar nicht zur Ruh.

Dein großer Freund, der als einziger deinen Schmerz erkannte,
sitzt auch neben uns und ist froh, dass er sich an uns wandte.
Mit jedem Lachen von dir, erleben wir Großen das Glück
Und wir hoffen darauf, dass es auch für dich kommt zurück.

Auf einmal sprichst du Deutsch, wir können unseren Ohren nicht trauen,
du tobst, lachst und spielst, sogar ein Baumhaus wollt ihr bauen.
Den Kratzer am Arm nimmst du gar nicht wahr, doch ich  darf ihn dann verbinden,
dein Blick richtet sich dabei ungeduldig in den Garten, den kann ich nicht verhindern.

Endlich darfst du spielen, endlich darfst du Kind sein,
heute musst du nicht erwachsen sein,  auch nicht nur zum Schein.
Darfst alle Sorgen vergessen für diesen Tag,
auch wenn morgen das Heimweh zurückkommen mag.

Ich weiß, auch wenn du heute lachst, so heißt das noch nicht viel,
doch der Anfang ist gemacht und du bist nicht mehr alleine mit deinem Ziel.
Viel Arbeit steht uns jetzt bevor und alleine werden wir es nicht schaffen,
doch wir holen uns Hilfe und unsere Worte sind ab jetzt auch deine Waffen.

Du bist nicht mehr allein, du bist nicht mehr verlassen,
das lassen wir nicht zu, hier werden alle jetzt mitanfassen.
Zum Abschied liegst du ganz lang in meinem Arm,
du strahlst mich an und deine Augen- die  sind so warm.

Nächsten Sonntag wirst du wieder bei uns sein, das habe ich dir fest versprochen,
deine Hausaufgaben bringst du dann mit, das wird auch nicht gebrochen.
Bis dahin lernst du fleißig Deutsch, denn das ist unser Deal,
50 Worte jeden Tag, das ist für dich ein Spiel.

Kleiner Mann, ich denk an dich, deine Stärke, deinen Mut,
ich weiß, die Narben in deinem Herzen, werden lange noch nicht gut.
Doch niemals sollst du wieder denken, dass du hier bist allein,
ab jetzt werden viele Menschen für dich auch hier da sein…

(©B. Metz)

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Hat dir dieses Gedicht gefallen?  Möchtest du noch ein bisschen weiterlesen?  Dann schau vielleicht einmal bei „Bilder im Kopf“ rein.  Dies ist ein Gedicht, das ich aus der Sicht eines Flüchtlings geschrieben habe.

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#bloggerfuerfluechtlinge

 

Das Geschenk…

Ganz vorsichtig, ganz sanft, ganz leis, ganz still,

sehe ich es an, berühre es, halte es

und wage mich kaum, es feste zu greifen.

Ich weiß, wie kostbar es ist und wie reich es mich macht,

bevor ich den Inhalt auch nur gesehen habe.

Es ist das Geschenk der Zuneigung,

das Geschenk, das mir einfach so überreicht wurde.

Einfach so, ohne dass ich es mir verdient hätte.

Einfach so, ohne Bedingungen.

Einfach so.

Und während ich vorsichtig die Schleife öffne,

um das Geschenkpapier sanft zu entfernen, sehe ich dich,

wie du dein Geschenk ungeduldig an dich reißt –

und du nimmst die klirrenden Scherben darin gar nicht mehr wahr…

@B.Metz

Die Farben zum Glück

Vor langer Zeit habe ich geträumt, ich saß in meinem Garten

Viele Menschen waren dort und  schienen alle nur zu warten.

Erst ist es mir nicht aufgefallen, doch etwas fehlte hier-

Die Farben, die es schöner machen, kamen nicht zu mir.

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Doch dann  ein Tupfer, dort ein Fleck, erst konnte ich es nicht verstehen,

wo kam denn jetzt die Farbe her, erst konnte ich es gar nicht sehn.

Ein Kinderlachen strahlte meine Bäume an, jetzt waren sie auf einmal grün.

Die Umarmung von dem alten Mann ließ die Sonne gelb erglühen.

 .

Die junge Frau aus Afrika  warf so viele bunte Bänder in die Luft,

der Junge  aus Südamerika brachte uns dann den Blumenduft.

Der kleine Teich, noch war er grau, doch das änderte sich dann,

als die  drei Mädels aus China kamen und traten an ihn ran.

 .

Mit jedem Kind, das jetzt reinsprang und laut auch dabei lachte,

strahlte die blaue Farbe immer mehr, wie kein Pinsel das je machte.

Die Mexikaner brachten Piñatas , Musik und tanzten dann dazu,

von da an  tanzten alle mit, zum Sitzen hatte keiner jetzt mehr Ruh.

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Nach und nach füllte sich mein Garten immer mehr und wurde immer bunter,

jeder Gast der jetzt noch kam, brachte neue Farben in den Garten runter.

Jung und alt, dünn und dick und jede Variante die es gab ,

brachten neue Farben mit und erhellten uns den Tag.

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Menschen aus allen Ländern und Kulturen waren jetzt da,

ich kann es nicht beschreiben- es war einfach wunderbar!

Die Farben die ich jetzt erlebte, glaubt mir, so etwas habt ihr noch nie gesehen,

doch wenn ihr eure Herzen öffnet, werdet ihr es bald verstehen.

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Mit jedem Mensch, der anders ist als ihr, gibt es neue Farben.

Neue Lichter, neues Glück, das könnt ihr alles haben!

Verschließt die Tür zum Garten nicht, lasst  die Farben dort herein,

denn das ist das Geheimrezept, zum  richtig glücklich sein.

©B.Metz

10 Questions for the „Leavers“

Ok , Germany calling here, with lots and lots of questions, which have been puzzling us ordinary Germans to such an extent, that we would be very grateful, if a “Leaver” could explain at least the top 10 to us.

  1. What exactly did the EU force on you that you found so intolerable that you rather took the risk of a recession & alienation?
  •           6 l water limit on flushing the toilets?
  •                    Straight cucumbers?

Please just name the top 3.

  1. If there was such big concern, how the EU shaped Britain, why did only 35.6% of the British population vote at the last European Parliament Elections?
  1. What borders are you now getting back? Farage seemed to be rather excited about that, but we here in Germany are still very confused, as you never shared a border with anyone (other than Ireland, but that problem may get solved now in different ways) and guarded them rather well with your own British people, as everybody, whoever travelled to the UK, can vouch for.
    The UK is not a member of the passport-free Schengen zone, so it retains border controls and checks, and Britain has refused to take part in any EU scheme to reallocate refugees from the war in Syria. Furthermore, immigration from outside of Europe is not affected by Britain’s EU membership.

    Or – wait a minute- does it mean that I – as a German- am not wanted and not allowed in anymore? Please clarify.

  1. A question that really puzzles us over here: Did every voter actually know the details about Article 50 and consequently Article 218 (3) of the Lisbon Treaty and if so, how was the outcome of this realistically envisioned compared to the British politicians promise.
  1. Were the British voters actually aware that it took Switzerland 16 years (1957 – 1973) to negotiate the FIRST deal (Free Trade deal) with the EU and the last deals were finalized 1999?  And did they know, that this  would mean for Britain, that the babies now being born would be in their forties -if this will be anywhere similar to Switzerland – and they will be the ones signing those contracts?! Did the British people also know that in overall, around 100 bilateral agreements currently exist between the EU and Switzerland?
  1. How do you envision an economy when most foreign trade companies will withdraw their production facilities out of the UK? Which brings us to the next question- what exactly is the UK producing for export and how and where are you planning to create new jobs for the next generation?
  1. Even though a lot of you (Leavers) stated, that you are not so much interested in international travel, does it not bother you, that one day you may have to explain to your grandchildren, why you also took that decision and opportunity away from them to live and work in 27 different countries?
  1. Did the British voters actually believe the politicians, that every time something went wrong, it was always all Europe’s fault?
  1. Did the British people ever question or research the slogans of the “Leave” or “Remain” parties or did they just think, they would not lie about something important like this? What were the sources of information other than the slogans and campaigns from the parties trying to get your vote

10. Do the British people feel, that they are knowledgeable of all the consequences a Brexit will bring or are they prepared for things to happen that they have not even thought about before voting?

  • e.g. no foreign players in the Premier League and less excitement in the Champions League.,
  • the only foreign politicians congratulating you on your decision being Donald Trump, Marine Le Pen and nobody else,
  • That Swindon has a chance of becoming capital of England if the petition to  declare London independent from the UK and apply to join the EU.s , is approved. (ok, even with 146K signatures as I am writing this, this is still farfetched,  Swindon does not have a chance, maybe Exeter or Cardiff…) ,
  • that Scotland might take all the oil with them into the EU,
  • Nigel Farage admitting within hours after the outcome of the election that it was a “mistake” for the Leave campaign to pledge the weekly £350 million saving in EU to the NHS,
  • that Cornwall will become an ever busier and more expensive holiday spot, because foreign travel will decline,
  • and so much more, that we ordinary Germans don’t have a clue about , because all of this is way too complex to understand?
  1. ( not really a question, so no need to answer and who is counting anyway..?) Did you know we still love you and are sad that you have decided to file for divorce, but still hope, that you and your children and grandchildren will survive this and be happy in the long run? Did you know that our hearts are bleeding with yours, when we see, that some shameless politicians divided your country? You may not want to play with us anymore at the moment, but please know, apart from all the politics – we are here, when you need us! 🙂

©B.Metz

For my lovely Britain…

So here we are- a historic moment and I am still looking for the words to describe my feelings about something that I always feared, but now came true.

It is not so much the Brexit itself that the British people now have to live with.

It is something much deeper and much scarier.  It is the willingness of the people in today’s times to accept “facts”, without ever checking them. It is the laziness of researching and the carelessness of making decisions without ever looking into the consequences.

It is the lack of conscience of people in power, who can still sleep at night, even though they deliberately lied and stated wrong facts in order to manipulate the crowd and gain power. Probably still rectifying their actions with “Well, they could check on those facts themselves, if they wanted to…”

During the whole campaign I never criticized “Remain” or “Leave”.

My deepest concern was always the lack of solid research into the campaigning slogans from both sides.

I have seen them everywhere, most Anti-EU “facts” were simply false – an easy search not taking longer than a minute or 2 could prove that- but nobody wanted to take the time to look into it or to even discuss it. And I have tried several times to start discussions and was shut down by slogans, that were so farfetched, that I did not even know where to begin anymore to get my point across, that the situation was a bit more complex than the EU telling you, that an APR of 60% when getting a loan, is not legal.

But those Anti-EU slogans were everywhere, eye-catching and easy to digest, from red buses with wrong figures from Boris to Facebook Statements , that simply stated fabricated lies, while the voices of the economic heads of industries were time consuming to listen to, more difficult to understand the complexity of it and therefore much less attractive to listen to.

As a German, who lived in the UK for over 17+ years and who has 2 of her grown children still living in the UK, I feel a deep love for this country.

Therefore I have followed the whole Brexit campaign by informing myself daily in different level media (from Financial Times all the way down to Daily Mail- including comment section) in 4 different countries (UK, US, Germany & France) I still have to say, that the consequences of the decision Britain made today is by far too complex for me to even start to comprehend.

I am scared. I am scared for the country I love- the UK .  I am scared, that people, who informed themselves even less about the economic consequences than I did and were influenced by the easy to digest slogans, made a decision that will impact their life and the life of their children and grandchildren to an extent, that none of us can comprehend right now.

I hope I am wrong. No, let me correct this- I wish with everything I have and from the bottom of my heart, that I am wrong! I hope that the British people did such solid research into the impact of their vote , that the decision must be right.

Good luck and every success – this is a wish without any sarcasm. I really mean it! We here in Germany still love you, even though you just passed the decision to file for divorce. Yes, we still love you, but we are sad… 😦

©B.Metz

 

Ja, wir dürfen Fahnen schwenken!

Während das kleine Deutschlandfähnchen sich kurz vom Luftzug, der durch mein geöffnetes Fenster weht, über meinen Monitor senkt, lese ich schon wieder einen Artikel, der mir einreden will, dass Fahnen böse und falsch sind.

So schnell kann man die Wahrnehmung anderer Menschen also beeinflussen.

Gestern noch als Gutmensch „beschimpft“, weil man Freunde hat, die aus Syrien, Afghanistan, dem Irak , Pakistan , usw., stammen und auch noch nicht-christliche Religionen haben, heute schon hat man sich ein richtig patriotisches , wenn nicht sogar nationalsozialistisches, Ansehen verdient.

So einfach ist das!

Fahne runter- Gutmensch, Fahne raus- Nazi!

Oh Kinders, wenn es nicht so traurig wäre, würde ich mir fast wünschen, dass ich in eurer Welt auch mal ein paar Tage leben dürfte – nur mal so zur Erholung ohne irgendeine Komplexität.

Da mir das aber nicht vergönnt ist, werde ich dann wohl in der normalen Komplexität meiner Welt verbleiben.

Meine Welt ist die Welt, die sich momentan zwischen Arbeit, EM, ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe und einem Haushalt fußballverrückter Männer abspielt. Letzteres hat auch mich – zwar eher ungewollt – zu einem absoluten Fußballexperten gemacht.

EM und ein Haushalt voller fußballverrückter Männer bedeutet nur eins: Ausnahmezustand!!!

Alle 2 Jahre zur EM und WM  dreht sich unser Terminkalender rund um alle Fußballspiele. Der riesengroße Spielplan hängt in der Küche (über dem Spielplan der WM 2014, der nie abgenommen werden durfte), im Wintergarten liegt der Spielplan aus, in dem alle Familienmitglieder ihre Tipps abgeben (2014 hatte ICH gewonnen, wollte das nur eben kurz erwähnen), das Wohnzimmer erstrahlt in Schwarz-Rot-Gold.

Denn so sieht es aus, wenn man eine EM oder WM zelebriert!!!

Das sind die Dekos dafür!!!

Womit sollten wir denn sonst dekorieren? Gartenzwerge? Tannenbäume? Pferdeposter? Weihnachtkerzen? Osterhasen? Gut, wenn die jetzt schwarz-rot-gold wären, würden meine Männer die wohl auch noch akzeptieren, aber mal ehrlich, das sähe doch jetzt echt bescheuert aus.

Ja, ja,  ich weiß, die schweren Kritiker stören sich an unseren Farben. Aber welche Alternativen gibt es denn da jetzt während der EM? Die anderen Farben sind doch schon alle vergeben!

Wenn ich jetzt z.B. mein Haus in weiß-rot dekoriere, muss ich mir hämische Witze über Southgate, einen erschummelten Sieg in ´66, Brexit und besoffene Engländer anhören. Für Blau spreche ich einfach zu wenig Französisch! Gelb ist auch eine schöne Farbe, aber ich gehe nie und nimmer als Schwede durch. Usw, usw. …

Da bleibe ich doch einfach mal bei der Deko, die ich schon haufenweise in meinen Schubladen von den letzten Jahren gestapelt habe, streife mir mein schwarz-rot-goldenes  Schweißband um und lege die passende Blumenkette dazu an , schminke die Kinder und den Mann und feuere unsere Jungs, unsere Mannschaft,  an, während unsere Fähnchen leise im Winde wehen.

Noch schöner wird es übrigens, wenn ich unsere syrischen, afghanischen, irakischen, nigerianischen und pakistanischen Freunde auch noch schminke, die Fähnchen schwenkend und enthusiastisch unsere Fußball-Jungs anfeuern!

So harmonisch geht das und wenn auch nur einer der Kritiker so eine Familie und solch internationale  Freunde hätte wir ich, hätte er bestimmt keine Zeit gehabt, sich solch schwachsinnige Ideen auszudenken und uns unsere Fahnen und Deko wegnehmen zu wollen!

Fußball verbindet, Fußball bringt Menschen zusammen, Fußball spricht eine Sprache, die fast alle Nationen verstehen, Fußball wird gefeiert und zelebriert. Dafür steht Fußball!

Fußball sind keine Hooligans, Fußball sind keine Spielverderber, die uns unsere Freude und Deko nicht gönnen. Dafür steht Fußball nicht!

Fußball lehrt Respekt gegenüber anderen Menschen, Fußball lehrt Fairness, Fußball lehrt Teamplay!

Das feiern wir, das zelebrieren wir, das gibt uns Freude – und das lassen wir uns auch nicht von irgendwelchen Spaßverderbern kaputtmachen!

Aber auch mein Männerhaushalt ist gespalten, da meine Kinder in verschiedenen Ländern groß geworden sind, und so gibt es an manchen Tagen dann auch noch eine andere Deko, die ich  zwar augenzwinkernd verurteile, aber dennoch im Herzen respektiere und so schließe ich meinen Artikel mit einem Foto, das ich 2010 zum Deutschland – England Spiel (kurze Erinnerung: Rache für Wembley!) vor den Fenstern meiner Kinder in der Ferienwohnung aufgenommen habe und wünsche allen eine tolle, gewaltfreie und faire  EM!

©B.Metz

 

1_Conflicting Hopes

 

Conflicting Hopes  ©B.Metz

Momentaufnahme – Weißt du noch, wo du warst…?

„Weißt du noch, wo du warst, als…?“

Wer hat diese Unterhaltung noch nicht geführt? Wer hat noch nie erzählt, wo er war, als die Türme fielen am 11. September, als Diana starb, als die Terroranschläge in London, Paris oder Brüssel stattfanden?

Bisher hatte ich diese Unterhaltungen immer nur mit Menschen, die nie selber persönlich von diesen furchtbaren Ereignissen betroffen waren.

Jetzt sitze ich hier in diesem kleinen Wohnzimmer, das trotz der  zusammengewürfelten Möbel eine behagliche Ruhe ausstrahlt,  trinke Tee und wage mich nicht zu fragen „Wo warst du…?“

Ich weiß, wo ich war an diesem 20. März. Ich weiß noch, dass es für mich erst ein ganz normaler Tag war. Ich wusste zwar, dass die Stimmung brodelte, dass politische Meinungen auf mein Unverständnis stießen, dass ich, obwohl ich in England wohnte, still und ungehört  für mich allein gegen die Kriegspolitik der Briten protestierte. Ich ging arbeiten an diesem Tag, kochte danach Essen für die Kinder, kontrollierte die Hausaufgaben, schaute deutsches Fernsehen und ging dann ins Bett.

Und dann hörte ich sie. Erst ein leises Summen, das in kürzester Zeit zu einer bedrohlichen Laustärke anschwoll und dann waren sie genau über mir, über meinem Haus, meinem Dach, meinem Kopf.

Und jetzt saß ich im Bett – die angewinkelten Beine wurden von meinen Armen fest umschlungen, der Kopf ruhte auf den  Knien  und ich wiegte meinen Körper hin und her, wissend,  dass hier gerade etwas sehr schlimmes passiert.

Tausende  Gedanken schossen mir durch den Kopf, angefangen mit „ Jetzt ist Krieg“, bis hin zu den Menschen im Irak.“ Wenn das nächste Mal jemand diese Flieger über seinem Hausdach hört, dann könnte er sterben…“

Die Airforce Basis der Briten war nur wenige Meilen von meinem Haus entfernt und so wussten meine Nachbarn und ich, bevor es auch nur ein Nachrichtensender melden konnte, dass der erste Angriff gestartet hatte.

Am nächsten Morgen weckte ich meine Kinder, machte Frühstück, brachte die Kinder zu Schule und ging arbeiten. So wie jeden Tag.

Damals wusste ich nicht, dass ich 13 Jahre später Menschen gegenüber sitzen würde, die mir von ihren 2 Leben erzählen würden – ihr Leben vor dem 20. März 2003 und ihr Leben nach dem 20. März 2003.

Menschen, die mich dankbar in den Arm nehmen würden, nur weil ich schaue, ob es ihnen gut geht, Menschen, die mich direkt zum nächsten Geburtstag einladen würden, mich bewirten und bekochen würden, Menschen, deren Wärme und Herzlichkeit mich tief berühren würden.

Nein, das alles wusste ich nicht, als ich die ersten Flieger über meinem Haus hörte – und um ehrlich zu sein, habe ich in den Jahren danach bis hin zu diesem Moment auch selber gar nicht mehr so oft über diese Nacht des 20. März 2003 nachgedacht.

Jetzt höre ich zu, wie sie mit gebrochenem Englisch und einem Lächeln von ihrem 1. Leben sprechen- damals, als das Leben noch normal war, damals, als es noch Arbeit gab, damals, als die Freunde noch lebten, damals, ja damals vor dem 20. März… Viel erzählen sie nicht von ihrem 2. Leben, doch die Traurigkeit in ihren Augen erzählt mir mehr als tausend Worte.

Ich lasse sie erzählen, stelle kaum Fragen, doch ich höre zu. Ich höre keine Verbitterung, keine Schuldzuweisungen, keine Vorwürfe, kein Verzweifeln daran, dass das Leben ihnen nicht die besten Karten ausgeteilt hat, sondern höre einfach nur ihre Geschichte.

Mir wird klar, dass wir an diesem 20. März die gleichen Flugzeuge über unseren Köpfen gehört haben, nur dass diese Geräusche ihre Leben, so wie sie es kannten, unwiederbringlich zerstört haben, während ich am nächsten Tag meinen geregelten Alltag wieder aufnehmen konnte.

Ich spüre eine gewisse Resignation, was die Ziele und Träume für das eigene Leben angehen. Ich spüre, dass sie die Erwartungen für ihr eigenes Leben völlig heruntergeschraubt haben. Doch sie haben Kinder. Kinder, die 2003 noch zu klein waren, um sich jetzt noch an das 1. Leben  vor dem 20. März richtig erinnern zu können. Für sie haben sie Hoffnung, Träume, Ziele. Für sie sind sie hergekommen, um ihnen noch eine Chance zu geben. Und für sie kämpfen sie, damit sie so schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen und sich eine Zukunft aufbauen können.

Stolz werden mir die Hefte gezeigt, die mit schönster Schrift mit deutschen Worten und Sätzen gefüllt sind, ohne dass auch nur einer von ihnen bisher die Bewilligung zum Deutschkurs bekommen hat. Sie lernen von Videos aus dem Internet, erzählen sie mir. Viele dieser Videos kenne ich auch mittlerweile. Syrer, Iraker und noch viele mehr haben tatsächlich komplette Sprachkurse aufgenommen und kostenlos ins Internet gestellt, damit jeder die Gelegenheit bekommt, schnell die Sprache zu lernen und es ist wirklich erstaunlich mit welchem Enthusiasmus und Fleiß hier überall gelernt wird.

Diese Hefte, die sie mir hier zeigen,  bedeuten Hoffnung und eine Zukunft ohne Krieg und ohne Terror für ihre Kinder.

Und dennoch habe ich immer noch das Geräusch der Flugzeuge im Ohr, wenn ich sie anschaue  und es fällt mir schwer, die Vergangenheit einfach so loszulassen.

Doch mit jedem Satz, den wir wechseln, mit jeder Geste, jedem gemeinsamen Lachen, gemeinsamen Verstehen und gemeinsamen Kennenlernen verstummen diese Motoren immer mehr  in meinen Ohren und ganz langsam wird mir etwas klar:

Genau jetzt, genau hier erlebe ich einen Moment von dem ich irgendwann einmal sagen kann:

„Ich weiß noch, wo wir waren, als ihr mir damals eure Hefte zeigtet…“

©B.Metz

 

“Weißt du noch, wo du warst …” ist die vierte Folge der neuen Serie „Momentaufnahmen“ .

Hier geht es zu Folge 1  „Der Engel von nebenan“

Hier geht es zu Folge 2  “ Lost in Translation „

Hier geht es zu Folge 3  „Meylas Lachen“

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#bloggerfuerfluechtlinge

Sandflöhe

Vor etwas über  2 Jahren war ich mit Mann und Kind in Florida im Urlaub. Wir hatten fantastische 2 Wochen, in denen wir viele Orte besucht haben und von  Miami über die Keys, Naples, Sanibel Island,  Treasure Island, Tampa  und St. Augustin nach Orlando gefahren sind.

Sanibel Island jedoch hinterließ noch andere Spuren bei uns, als nur die schönen Erinnerungen an die typischen gigantischen Muscheln der Insel:  Wir wurden von Sandflöhen attackiert. Und ich meine hier nicht nur ein paar Sandflöhe, sondern Scharen davon, die einen fast unerträglichen Juckreiz hervorriefen. Erst schien es so, als ob ich davon verschont geblieben wäre. Ein einziger kleiner Punkt an meinem Bein war meine ganze Ausbeute, während mein lieber Mann übersät war und auch mein Kind eine ordentliche Ladung davon abbekommenen hatte.

2 männliche Wesen mit  starkem Juckreiz im gleichen Hotelzimmer sind natürlich etwas lästig im Urlaub, doch ich war gewillt, die Sache mit Humor zu nehmen.  Natürlich taten die beiden mir auch leid, doch da es sich ja hier nicht um einen lebensbedrohlichen Zustand handelte, konnte ich mir die ein oder andere (für mich) witzige Bemerkung nicht verkneifen. Mittlerweile waren wir auf Treasure Island angekommen und nach unserer ersten (unruhigen) Nacht dort, war mir klar: Wir brauchen dringend eine Apotheke, um das Leiden meiner Männer zu lindern.  Noch bevor wir uns auf den Weg dorthin machten, schaute ich noch mal kurz in meinen Facebook Account rein und konnte es mir nicht verkneifen, dort noch eben eine Statusmeldung zu hinterlassen:

“Off to Walgreens- quick count before determining the quantity of „After Bite“ I have to buy: Husband- 200+ sand flea bites, Child – 50+ sand flea bites, myself- 1 sand flea bite (and boy, mine itches)”

[Deutsche Übersetzung: Auf zur Apotheke- noch schnell mal durchzählen, um die Mengen der Creme gegen Juckreiz zu bestimmen, die ich kaufen muss: Mann- 200+ Sandflohbisse, Kind – 50+ Sandflohbisse, ich – 1 Sandflohbiss (und Mensch, meiner juckt wie wild)]

Und um genau diese Statusmeldung geht es hier, an die ich heute mal wieder denken musste. Damals wäre es mir niemals in den Sinn gekommen, dass hier jemand den Humor nicht verstehen würde, dass es auch nur einen Menschen auf dieser Welt geben würde, der daraus schließen könnte, dass ich das ernst meinen könnte.  Selbst wenn es mir jemand gesagt hätte, dass ich eventuell missverstanden werden könnte, hatte ich diese Idee als komplett absurd eingestuft.

Heute, zweieinhalb Jahre später, treffe ich leider immer wieder Leute mit einem einzigen Sandflohstich und höre mir ihr Leid an und auch ihr Unverständnis gegenüber denen, die 200+ Stiche haben… Nur diesmal ist kein Humor im Spiel, diesmal meinen sie es ernst!

Das macht mir riesige Angst und erzeugt in mir ein Unverständnis und eine Ungläubigkeit, die ich gar nicht in Worte fassen kann. Hier werden auf einmal Werte erschüttert, die ich immer als so selbstverständlich angesehen habe – Grundwerte, die nicht erschüttert werden können in einer zivilisierten Welt – so dachte ich immer.  Und doch geschieht genau das und wo ich auch schaue, in welche Richtung ich auch blicke, ob im eigenen Land oder in unsere Nachbarländer, ob in den USA oder auf den Philippinen oder sonst wo auf der Welt – so sehe ich genau diese Werte, mit denen wir erzogen worden sind, mit denen wir doch unsere Kinder erziehen, von Politikern und/oder Möchte-Gern- Politikern so sehr auf die Probe gestellt.

Auf einmal wird Dummheit, Wissensmangel, Ignoranz, Egoismus, Empathielosigkeit und Rassismus salonfähig.  Menschen schämen sich noch nicht einmal in Grund und Boden für ihren grenzenlosen Egoismus. Sie verstecken ihn nicht mehr und verbreiten menschenverachtende Hetze gegenüber den Schwächsten der Schwachen. Und jedes Mal wenn ich das sehe, dann möchte ich schreien, ich möchte schreien „ Was lebt ihr unseren Kindern denn da vor? Was macht ihr da? Warum könnt ihr denn nicht sehen, was ihr hier zerstört?“

Und dann sehe ich die breite Masse, die Masse, die zwar nicht mitläuft, aber dennoch schweigt. Und ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, warum sie nicht aufschreit. Ich verstehe nicht, warum sie die Gefahr nicht erkennt, in die sie sich  begibt, wenn sie weiter schweigt. Die Dummen sind laut, lauter als die, die die Dummen sonst immer nur belächelt haben.

Und dann schreit es wieder in mir. Es schreit „Seht ihr denn nicht, dass Euer Schweigen als stilles Einverständnis gewertet wird von den Dummen und sie sich dadurch noch gestärkt fühlen? Seht ihr denn nicht, dass gerade eine Generation heranwächst, die nicht mehr diese unerschütterlichen Werte, die ihr noch als so selbstverständlich anseht, mit auf den Weg bekommt? Seht ihr nicht, dass selbst die Kinder auf unseren Gymnasien sich dafür schämen, mit Flüchtlingskindern gesehen zu werden, weil sie Angst haben, dafür von anderen Schülern gemobbt zu werden?

Fragt ihr Euch nie, wie diese Zeit, unsere Zeit, in die Geschichtsbücher eingehen wird? Wir schreiben gerade Geschichte und wir sind Teil davon.

Empfindet ihr denn nicht den innerlichen Aufschrei tief in Euch, wenn ihr das unendliche Leid in Aleppo oder in Idomeni seht, jedoch gleichzeitig eure Nachbarn, Freunde  und Bekannten über ihre Angst reden, dass ihnen ein Flüchtling ihr Butterbrot klaut, sich beschweren, dass Flüchtlinge hier ihr Studium beenden dürfen und ihnen das Leid dieser Menschen völlig egal ist, während sie nur über ihren eigenen Sandflohstich besorgt sind?

Ist es nicht Zeit zu sagen: Diese Einstellung ist nicht ok, denn du bedrohst damit die Werte meines Landes, meines Glaubens, meiner Kultur, meiner Zukunft und meiner Kinder!? Ich schreite ein, ich halte dagegen, ich bin nicht mehr leise und unsichtbar. Ich beziehe Stellung und ich sage dir offen ins Gesicht, dass ich deine menschenverachtende Meinung nicht teile! Gerade heraus und mit Mut!“

Aber vielleicht ist es gerade das, was der  breiten Masse fehlt – der Mut, Stellung zu beziehen.

Vielleicht haben wir das verlernt, vielleicht bin ich auch zu ungeduldig, vielleicht erwarte ich zu viel.

Vielleicht muss ich einfach nur lernen, dass andere Menschen andere Prioritäten haben und für mich lernen, dass diese Grundwerte, die gerade mit Füssen getreten werden, für mich eine andere Priorität darstellen, als für andere Menschen. Vielleicht… Ich weiß es nicht… zu viele „Vielleichts“, die mich immer noch kein Stück näher bringen, damit sich auch nur ein gewisses Verstehen einstellen könnte…. ich bin immer noch hilflos und irgendwie fehlen mir immer noch die Worte, um  dieses Nicht- Verstehen über das, was gerade in der Welt passiert, richtig zu formulieren.  Sollten diese Worte sich irgendwann einfinden, dann melde ich mich noch einmal zu diesem Thema zurück.

Doch bevor ich meine Gedankengänge für heute beende, so möchte ich Euch dennoch das Ende der Sandflohgeschichte nicht vorenthalten:

Mann und Kind litten trotz Behandlung noch ein paar Tage unter starkem Juckreiz, dann verschwanden die Bisse fast über Nacht. Bei mir war der Verlauf etwas anders. Auch wenn ich anfänglich nur einen einzigen Biss zu beklagen hatte, so vermehrten sich diese mit rasanter Geschwindigkeit und so hatte ich in kürzester Zeit mehr Bisse als Mann und Kind zusammen und diese Punkte und der Juckreiz hielten 8 Monate an.

Ich sag dazu nur: KARMA…! 🙂

© Beate Metz

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